Zwangsarbeit in Hamburg

Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in Hamburg eine große Veränderung. Im Jahre 1935 hatte Hamburg noch eine sehr hohe Erwerbslosenquote, doch schon im September 1939, also gut vier Jahre später, fehlten in den Wirtschaftssektoren Eisen und Metall, sowie in der Bauwirtschaft viele Arbeitskräfte1. Sobald in Deutschland der Krieg begann, wurden auch die gesunden Männer in großen Mengen an die Front beordert. Ab dem Jahre 1941 waren aus der Hansestadt schon 100.000 Soldaten rekrutiert. Diese hinterließen große Lücken in der Wirtschaft und Industrie Hamburgs, welcher sowieso schon viele Arbeitskräfte fehlten. Wie auch in den andern Teilen Deutschlands, war man aus moralischen Gründen zunächst gegen einen Einsatz von Zwangsarbeitern. Hinzu kam, dass man glaubte, dass ausländische Arbeiter in der Rüstungsproduktion ein großes Sicherheitsproblem darstellen würden.

Mit zwei Methoden versuchte man also zunächst dieses Problem einzudämmen. Dieses beiden Methoden waren die Arbeitskräftelenkung, wobei man versuchte Arbeiter aus gut besetzten Wirtschaftszweigen in solche mit wenig Arbeitskräften umzuschulen und die Mobilisierung weiblicher Arbeitskräfte. Während die erste Methode relativ gut funktionierte, so brachte die zweite nur wenig. Zudem wurde die Mobilisierung weiblicher Arbeitskräfte oft aus ideologischen Gründen und der Befürchtung diese Lösung könnte die Moral der Soldaten an der Front negativ beeinflussen, abgelehnt. Auch die Frauen selbst waren von dieser Idee größtenteils nicht begeistert, da sie sich auch noch um den Haushalt und ggf. Kinder zu kümmern hatten. Durch diverse Unterstützungen für deutsche Familien (FU), schaffte man außerdem eine finanzielle Zufriedenstellung dieser potentiellen Arbeitskräfte, sodass Frauen auch das Argument des höheren Einkommens nur wenig überzeugte.

Als man dann Anfang 1940 merkte, dass man immer mehr Arbeitskräfte brauchte, da man jetzt einen Krieg an zwei Fronten führte und die Blitzkriegstaktik nicht mehr funktioniert hatte, beschloss man die nötigen Schritte einzuleiten, um ausländische Arbeiter in der deutschen Wirtschaft zu beschäftigen2.

In Hamburg angekommen wurden die Zwangsarbeiter auf die verschiedenen Wirtschaftszweige eingeteilt. Im Jahr 1941 waren die meisten Arbeiter im Bereich des Baugewerbes und des Eisen und Metalls tätig. Allein hier arbeiteten 6.471 Arbeiter und stellten so von insgesamt 8.819 Arbeitern den größten Anteil dar. Zusätzlich zu den „üblichen“ Zwangsarbeitern, wurden in Hamburg viele Dänen beschäftigt. Im Jahre 1941 war ihr Anteil mit 49,2 % am Größten3. Polnische Zwangsarbeiter gab es in Hamburg nur wenig, da diese größten Teils vor den Toren Hamburgs in der Landwirtschaft eingesetzt wurden.

Gerade die KZ Hätflinge aus Neuengamme und den umliegenden Lagern ging es am Schlimmsten. Sie bekamen fast kein Gehalt und mussten trotzdem am härtesten arbeiten. Ihre Aufgabe war es unter anderem, Aufräumungsarbeiten in Industrien zu verrichten, Leichen aus den Trümmern zu bergen und Kanäle auszuheben. Der größte Teil dieser KZ Häftlinge bestand aus den Menschen jüdischen Glaubens, die aus fast allen besetzten europäischen Ländern deportiert wurden4.

Der Zwang beim Arbeiten entstand durch die Androhung von Gewalt, bei Arbeitsverweigerung und das unfreiwillige Erscheinen bei der Arbeitsleistung. Wer sich weigerte zu arbeiten, dem wurden die Lebensmittelkarten entzogen, Sozialleistungen gekürzt oder einfach verprügelt.

Während die Zwangsarbeiter zu Beginn des Krieges noch vermehrt in Privatunterkünften lebten, entschied der Gauleiter Karl Kaufmann im März 1941, dass Ausländer von nun an in Lagern untergebracht werden sollten, um eine polizeiliche und politische Überwachung zu gewährleisten5. Diese Überwachung sollte von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) durchgeführt werden. Die Lager selbst hatten jedoch nicht etwa die DAF, sondern die Zwangsarbeiter selbst zu errichten. Die Lager waren meist in Sektoren unterteilt, zu denen immer eine bestimmte Anzahl an Holzbaracken gehörte

1Hamburg im Dritten Reich, Kapitel Zwangsarbeiter in der Kriegswirtschaft, von Frederike Littmann,S. 225, 2005
2Hamburg im Dritten Reich, Kapitel Zwangsarbeiter in der Kriegswirtschaft, von Frederike Littmann, S. 225, 2005
3Hamburg im Dritten Reich, Kapitel Zwangsarbeiter in der Kriegswirtschaft, von Frederike Littmann, S. 228, 2005
4Hamburg im Dritten Reich, Kapitel Zwangsarbeiter in der Kriegswirtschaft, von Frederike Littmann, S. 229, 2005
5Hamburg im Dritten Reich, Kapitel Zwangsarbeit in der Kriegswirtschaft, von Frederike Littmann , 2005

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