Sklaverei der neuen Generation – Zwangsarbeit in Deutschland
Die
Zwangsarbeit im 2. Weltkrieg ist eines der dunkelsten Kapitel
Deutschlands und trotzdem wissen viele wenig darüber. Während des
Weltkrieges wurden immer mehr Deutsche an die Front geschickt und für
den Militärdienst eingezogen, sodass große Lücken in der gesamten
Wirtschaft entstanden. Mit der Ernennung von Fritz Sauckel zum
Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz (GBA) begann in
Deutschland die systematische Rekrutierung von ausländischen
Arbeitern aus den besetzten Gebieten.
Bevor
wir genauer auf diese systematischen Verbrechen NS Deutschlands
eingehen können müssen wir das Wort Zwangsarbeit definieren.
„[Zwangsarbeit ist] jede
Art von Arbeit oder Dienstleistung, die von einer Person unter
Androhung von Strafe verlangt wird und für die sie sich nicht
freiwillig zur Verfügung gestellt hat.“1
Diese Definition ist meiner Meinung nach sehr treffend und leicht
verständlich. Durch das nicht freiwillige Arbeiten entsteht der
Zwang in dem Wort Zwangsarbeit, welcher auch gleichzeitig diese Art
von Arbeit von anderer unterscheidet.
Bei
der Zwangsarbeit in Deutschland wurde immer nach dem gleichen Prinzip
vorgegangen. Zunächst versuchte man die Arbeiter durch
Werbekampagnen und Versprechen zu locken. Es wurden Arbeitsämter
errichtet und ein Anwerbesytem entstand. Gerade weil die NSDAP
Zwangsrekrutierung zunächst ablehnte, entschied man sich zunächst
für diese gemilderte Vorgehensweise.
Später,
als man merkte, dass die durch dieses System angeworbenen Arbeiter
vorne und hinten nicht reichten, um die großen Lücken in Produktion
und Landwirtschaft zu füllen, begann man schließlich doch mit der
Zwangsrekrutierung. Die Menschen wurden in Scharen von den Straßen
direkt in Güterwagen getrieben, oder von ihrem Zuhause abgeholt.
In
Deutschland wurden die Arbeiter auf die verschiedenen Firmen und
Bauernfamilien aufgeteilt. Generell war es so, dass es den Arbeitern
in Bauernfamilien an den Verhältnissen gemessen gut ging und je
größer die Firmen und Arbeitslager wurden, desto mehr wurden die
rassistischen Verhältnisse ausgeübt.
Der
Kriegsverlauf bestimmte auch den Anteil der Zwangsarbeiter aus den
verschiedenen Ländern. Die ersten großen Massendeportationen kamen
aus Polen "In der Zeit von Oktober 1939 bis Beginn des Jahres
1940"2.
Sobald Deutschland seinen Krieg gegen den Westen begann und über die
Niederlande, Belgien und Frankreich siegte, wurden auch Deportationen
aus diesen Ländern vollzogen. Deutschland und Frankreich hatten
hierbei ein Abkommen vereinbart, was besagte, „dass Deutschland
einen Kriegsgefangenen an Frankreich zurückgibt und Frankreich dafür
an Deutschland drei Zivilarbeiter abgibt“3
Nach diesen großen Deportationen folgten Zwangsrekrutierungen aus
der Sowjetunion, wobei allerdings der Großteil der Gefangenen nie
zum Einsatz kam, sondern einfach nur umgebracht wurde. Gleichzeitig
wurden auch Arbeiter aus dem ehemals verbündeten Italien bezogen,
sodass sich insgesamt vier große Zwangsarbeiter Gruppen
herausarbeiten lassen. Immer wieder spricht man von acht bis zehn
Millionen Zwangsarbeitern4,
die nach Deutschland deportiert wurden. Würde man dann noch die nur
falsche Versprechungen angelockten Zivilarbeiter dazurechnen, käme
man auf eine Zahl von ungefähr 12 Millionen5.
Zudem
gab es noch vier bis fünf weitere Gruppen an Zwangsarbeitern, die
sich nach den Umständen des Aufenthalts der Arbeiter in Deutschland
definierten. Diese Gruppen beinhalteten Kriegsgefangene, zivile
Arbeiter, die aus ihrer Heimat deportiert wurden, zivile Arbeiter,
die schon vorher in Deutschland lebten und Kriegsgefangene, die nach
ihrer Arbeit zur Zwangsarbeit herangezogen wurden. Dazu rechnet man
manchmal noch die Arbeiter, die zwar freiwillig, aber auch durch
falsche Versprechen nach Deutschland kamen.
Abbildung
1: Arbeitspass für ausländische Zwangsarbeiter im 2. Weltkrieg
Der
Alltag des Arbeiters war in vielen Fällen identisch aufgebaut. In
dem Film „Reichseinsatz“ schildert ein Mann sein Schicksal: „Mit
17 Jahren wurde ich auf der Straße aufgegriffen und in ein
Übergangslager in einer alten Schule untergebracht. An diesem Tag
wurden viele gefasst und niemand wusste, was mit uns passieren würde.
Nach einigen Tagen wurden wir mit Güterzügen nach Deutschland
gebracht und in Baracken eingeteilt. Meine Arbeit war es, Motoren für
Autos fertigzustellen, wobei ich immer 5 gleiche Handgriffe hatte.
Unsere Baracke erhielt pro Woche 1kg Brot, 1kg Käse und ½ kg
Margarine. Wenn ich auf deutsche Jugend traf dann hatte ich immer am
meisten Angst, denn die waren am Schlimmsten. Man bespuckte uns und
schubste uns auf die Straße. Die älteren Mitarbeiter in den Firmen
hingegen waren oft freundlich. Nicht selten geschah es, dass sie ein
Brot für uns versteckten. Gegen Ende des Krieges merkte ich, dass
ich fliehen musste und es gelang mir.“6
Die Rationen an Essen, die der Mann beschreibt waren klar vorgegeben
und mehr gab es auch nicht. Durch diese akute Unterernährung wurden
die Arbeiter extrem geschwächt und starben schnell, sodass ein
Verbrauch an Arbeitern entstand, der durch weitere Rekrutierungen
eingedämmt wurde.
In
den Regeln für die Zwangsarbeiter, sowie in den Arbeitspässen
genannter, war festgeschrieben, dass der freundliche, gepflegte
Kontakt zwischen Deutschen und Arbeitern verboten ist und auch mit
dem Tode bestraft werden kann.
Die
Zwangsrekrutierung löste nicht nur das Problem des
Arbeitskräftemangels, sondern brachte auch finanzielle für die
deutschen Firmen, da Zwangsarbeiter deutlich billiger waren als
normale Arbeitskräfte.
Wenn
eine Zwangsarbeiterin ein Kind bekam, so wurde sie zunächst zurück
in die Heimat geschickt. Bald jedoch kam man darauf, dass dies
vielleicht nur ein Trick der Arbeiter war, um ihre Frauen nach Hause
zu kriegen. Von nun an richtete man Geburts- und Abtreibungsbaracken
ein. Einige Tage vor der Geburt wurden die Frauen in die Baracken
gebracht und nach einem Tag wieder entlassen. Die Kinder wurden
meistens nur wenige Stunden nach dem Verschwinden der Mutter durch
vorbereitete Todesspritzen oder Gewalt umgebracht. Den Eltern wurde
dann anschließend mitgeteilt, die Kinder seien an Komplikationen
gestorben und zusätzlich mussten sie 52 Mark aufbringen, um die
Bestattungskosten auszugleichen. Diese Bestattung gestaltete sich
dann oft so, dass die Kinder einfach nur in Pappkartons vergraben
oder auf dem Müll entsorgt wurden.
Wenn
man sich diese Zeilen durchliest fragt man sich, wie die
Zwangsarbeiter die 52 Mark aufbringen sollten? Was viele nicht wissen
ist, dass die Zwangsarbeiter bezahlt wurden. Hierbei wurde nach
Herkunft, Geschlecht und Alter unterschieden.
|
Deutscher Arbeiter
|
Westarbeiter
|
Westlicher
Kriegsgefangener
|
Zivilarbeiter
aus dem
Osten
|
Polnischer
Kriegsgefangener
|
Sowjetischer
Kriegsgefangener
|
|
4-6 RM pro Tag
|
4-6 RM pro Tag
|
0,7 RM pro
Tag
|
2,55 RM pro
Tag
|
0,5 RM pro
Tag
|
0,2 RM pro
Tag
|
An
dieser Tabelle der Bezahlung lässt sich auch das ethnische
Wertesystem des NS Regimes ablesen. Während Westarbeiter teilweise
so viel verdienten, wie deutsche Arbeiter, so verdienten sowjetische
Kriegsgefangene weniger als einen Viertel von dem, was ein
Westarbeiter bekam.
1Definition
der Internationalen Arbeiterorganisation (IAO) von 1930
2
http://de.wikipedia.org/wiki/Polnische_Zwangsarbeiter#Polen
22. Januar 2013
3
Reichseinsatz, Wolfgang Bergmann, 2005
4
Hambug im Dritten Reich, Kapitel Zwangsarbeiter in der
Kriegswirtschaft von Friederike Littman, Seite 245, 2005
6
Reichseinsatz, Wolfgang Bergmann, 2005
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