Wie
geht es weiter? - Zwangsarbeiter stehen vor der Entscheidung?
Nach
Beendung des Zweiten Weltkrieges und dem Sieg der alliierten
Siegermächte standen Zwangsarbeiter vor einer großen Entscheidung.
Wie geht es weiter? Gehe ich sofort zurück in meine Heimat, oder
bleibe ich in Deutschland? Die meisten verließen Deutschland
fluchtartig, verständlich bei dem was ihnen angetan wurde.
Allerdings
gab es auch einige, die in Deutschland bleiben wollten. Wie zum
Beispiel die Eltern von Krystina Dolny. In meinem Zeitzeugeninterview
mit Frau Dolny fragte ich sie danach, warum ihre Eltern in
Deutschland geblieben sind. Ihre Antwort darauf war, dass zwar sowohl
ihre Mutter, als auch ihr Vater schreckliche Qualen leiden mussten,
doch auch beiden der Gedanke an die Heimat nicht mehr gefiel. Zu sehr
hatten Armut, erschöpfende Arbeit und Hunger ihre Kindheit geprägt
und zudem wussten sie nicht, was sie in Polen zu erwarten hatten und
wie es der Familie geht. Nach sorgfältiger Abwägung der
Gegebenheiten entschieden sie sich dafür erst einmal in Deutschland
zu bleiben.
Gerade
die ehemaligen Ostarbeiter wurden bei ihrer Ankunft oftmals
enttäuscht. Zum einem mussten sie feststellen, dass nicht nur
Deutschland zerbombt wurde und nicht nur in Deutschland die Menschen
Hunger litten, nein in der UdSSR wurden sie auch noch als
Vaterlandsverräter angesehen. Man sagte sie haben dem Feind gedient
und das auch noch freiwillig. Es gab Verfolgungen, Misshandlungen und
Diskriminierungen. Jedes mal wenn ich mir über die Schicksale dieser
Menschen Gedanken mache muss ich den Kopf schütteln. Mit sehr viel
Glück und nach unmenschlichen Qualen schaffen sie es in ihre Heimat,
erwarten dass sie gefeiert werden und glücklich wieder aufgenommen
werden, doch was sie erwartet ist Hass, Gewalt und Diskriminierung.
Erst 55 Jahre später erhielten die meisten den Status „Teilnehmer
an den Kampfhandlungen“1.
Bei
der Behandlung von ehemaligen Zwangsarbeitern im nahen Osten gibt es
drei verschiedene Epochen: Ersten die Stalin Ära von 1945 – 1952,
wobei die Betroffenen als Feinde des Landes angesehen wurden,
Zweitens die Zeit der sowjetischen Herrschaft von 1952 – 1991 in
der es immer noch Diskriminierungen und Spott gegenüber den
ehemaligen Ostarbeitern gab und drittens die Zeit der Normalisierung
seid 1991.
In
der Ukraine wirkte sich die Normalisierung so aus, dass alle Bürger
aus dem Jahrgang 1944/1945 dem Gesetz gleichgestellt wurden – egal
wo sie geboren wurden, alle besitzen den bereits genannten Status
„Teilnehmer der Kampfhandlungen“ und es gibt gewisse
Entschädigungen und Vergünstigungen für ehemalige
Zwangsarbeiterkinder. So haben alle Ostarbeiterkinder folgende
Rechte: Beantragung einer Kur, Rabat auf Mietzahlungen in kommunalen
Wohnungen, kostenlose Medizin, kostenfreies Fahren mit den
staatlichen Nahverkehrsmitteln und eine kostenlose Fahrt mit der Bahn
im gesamten ukrainischen Staatsgebiet pro Jahr2.
Die
Menschen die in Deutschland blieben wurden in sogenannten DP Lagern
untergebracht. Das DP in dem Namen steht für das englische Wort
„displaced person“, was soviel bedeutet wie verdrängte Personen.
Während die Organisation der Lager in der Hand der Alliierten lag,
waren die Angestellten, wie Hausmeister, Kindergartenleiter,
Jugendleiter und Sozialbeauftragte alle deutsche Angestellte waren.
Über
ganz Deutschland verteilt wurden solche DP Lager errichtet. Die
alliierten Siegermächte merkten allerdings schnell, dass es sehr
kompliziert und aufwendig war, da ungefähr 1 Million ehemalige
Zwangsarbeiter in Deutschland bleiben wollten, sodass sie die
amerikanische Hilfsorganisation UNRRA mit dieser Aufgabe
verpflichteten3.
Die
„United Nation Relief and Rehabilitation Administration“ sah es
als ihre Aufgabe die Menschen dazu zu überzeugen in ihre
Heimatländer zurückzukehren, sie also zur repatriieren
(zurückzuführen). Da diese Menschen allerdings explizite Gründe
hatten, nicht in ihre Heimat zurückzukehren hatte die Organisation
mit dieser Methode wenig Erfolg und wurde am 31. Dezember 1946 durch
die „Intenational Refugee Organization“ (IRO) ersetzt. Diese
Nachfolger Organisation hatte bereits aus den Fehlern der UNRRA
gelernt und verfolgte nun das Ziel die zurückgebliebenen DP´s in
Länder wie Kanada, Australien und Palästina anzusiedeln, oder
einfach in Deutschland zu integrieren.
Die
Lager selbst wurden nur selten neu gebaut man nutzte stattdessen alte
Konzentrationslager, Offiziersgefangenenlager, Arbeitslager, Kasernen
der besiegten SS und einbezogene Krankenhäuser, Wohnungen und
Hotels4.
1
Projekt von Janine Dressler zum Thema Kinder von Zwangsarbeitern,
S. 5
2Projekt
von Janine Dressler zum Thema Kinder von Zwangsarbeitern, S. 5
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